Tarih

Die Geschichte des Gebietes Hatay, welches altersher Lebensraum verschiedener Völker und Kulturen war, beginnt mit dem Paläolithikum.

Da das Amanos Gebirge und die Amik Ebene mit ihren natürlichen Reichtümern und dem günstigen Klima, die besten Voraussetzungen für menschliches Leben boten, wurde das Gebiet oft Zankapfel zwischen Nachbarstämmen.

Die ersten Bewohner von Hatay waren die Prototigris. Sie wurden im 3. Jahrtausend v. Chr. von den Akkaden unterworfen. Später, im 2. Jahrtausend v. Chr., wurde die Amik-Ebene von den Hurritern erobert. Sie gehörten zum Königreich Yamhat, welches mit der Hauptstadt Aleppo die gesamte Ebene regierte.

Gegen Ende des 17. Jh. v. Chr. kamen die Hethiter auf ihren Eroberungszügen von Anatolien bis Gaziantep und Hatay und unterwarfen diese Gebiete. Die 140-jährige Herrschaft der Hethiter endete unter dem Druck eines aus dem Westen andrängenden Seefahrervolkes.



Nachdem das Hethiterreich 1190 v. Chr. vollständig zersplittert war, vereinigten sich die hethitischen Prinzentümer der Amik-Ebene unter dem Namen Hatina. Die Hauptstadt Kanula, das heutige Çatalhöyük, war somit die erste politische Hauptstadt der Welt. Hatina konnte seine Unabhängigkeit bis zum Jahre 841 v. Chr., bewahren.

Danach begann die Herrschaft der Assyrer, welche bis zur Einnahme des Gebietes durch die Perser dauerte. (538 v. Chr.) Nach 200-jähriger Herrschaft der Perser über ganz Anatolien, lockerte sich das Gefüge des Perserreiches. Der Sieg Alexander d. Großen ( 356 - 323 v. Chr.) über den Perserkönig Dareios III. Kodomannos (um 380 – 330 v. Chr.) bei Issos im Jahre 333 v. Chr., bedeutet das Ende der Perser in Hatay. Noch heute kann man die Ruinen von Issos, wo dieser Kampf, den Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens herbeiführte, besichtigen. Nach dem Tod Alexander d. Großen wurden die von ihm eroberten Gebiete unter seinen Generälen aufgeteilt. Einer dieser Generäle, der Statthalter von Babylon, Seleukos I. Nikator ( 365-281 v. Chr.), gewann eine Schlacht bei Issos im Jahre 311 v. Chr. gegen Antigonos, die gesamten östlichen Mittelmeergebiete. Er gründete im heutigen Kapısuyu-Samandağ eine Hafenstadt welche nach ihm, Seleukia, benannt wurde. Die Stadt erlebte in kurzer Zeit einen großen Aufschwung und wurde einer der wichtigsten Häfen des östlichen Mittelmeerraums. Seleukos Plan, die Hauptstadt seines Königreiches von Babylon nach Seleukia zu verlegen, scheiterte an der strategisch ungünstigen Lage der Stadt. Es wurde nach einem geeigneteren Ort gesucht.

Der kleine Ort Antigonia am Fusse des Silipius-Berges und an den Ufern des Flusses Orontes (Asi) gelegen, zeichnete sich durch seine günstige Lage für eine leichte Verteidigung, durch ein angenehmes Klima und die durch den Ort führenden, strategisch und wirtschaftlich wichtigen Straßen, aus. Nach vielen Diskussionen wurde Antigonia für geeignet befunden und im Jahre 300 v. Chr. legte man feierlich den Grundstein für die neue Hauptstadt. In ehrenvoller Erinnerung an seinen Vater Antiochos verlieh Seleukos der Stadt den Namen Antiochia. Der Überlieferung nach soll bei dieser Zeremonie eine Jungfrau namens Emata geopfert worden sein, um Gnade und den Schutz der Götter für die Stadt zu sichern.

Antiochia wuchs in kurzer Zeit zur Metropole des Orients heran und wurde Zentrum für Verwaltung, Religion und Wirtschaft. Nach dem Tode Nikator I. erlebte die Stadt durch die Missgunst ihrer Nachbarn der Perser, Ägypter und Römer unruhige Zeiten. Die fortwährenden inneren Wirrnisse, sowie das verheerende Erdbeben im Jahr 148 v. Chr. , bei dem die Stadt fast gänzlich zerstört wurde, schwächte sie aufs Äußerste.

Im Jahr 83 v. Chr. eroberte der Armenier Tigranes die Stadt und konnte sie seinem Reich hinzufügen.

Zur Zeit Antiochus XIII., dem letzten König der Seleukos-Dynastie, eroberte Cn. Pompeius Magnus (Pompeji) im Jahr 64 v. Chr. das Gebiet für das Imperium Romanum. Antiochia wurde zum Sitz des Legaten der neueingerichteten römischen Provinz Syria erhoben. Um die Bevölkerung günstig zu stimmen, räumte man Sonderrechte ein, welche jedoch beschnitten werden sollten, nachdem sich die neue Regierung unter Cn. Pompeius Magnus (Pompeji) etabliert hatte. Das Volk verlieh seinem Unmut Ausdruck. Es kam zu Unruhen, die in Rom Besorgnis erregten. Um den Streit zu schlichten eilte Julius Cäsar aus Rom herbei und sprach Römisches Recht. Daraufhin wurden die gewährte Rechte wieder eingesetzt. Burgmauern, die Akropolis, das Amphitheater, Gerichtsgebäude, Thermalbäder und Wasserleitungen und repräsentative bauten wurden errichtet. 42 v.Chr. war Antiochia , neben Rom und Alexandria, eine der drei größten Städte der Welt. Die rundum von Mauern umgebene Stadt war mehr als nur ein Verwaltungszentrum. Sie war der Mittelpunkt von Handel, Religion und Wissenschaft im Nahen Osten. Besonders berühmt waren Daphne, der Tempel der Diana, die außergewöhnliche Schönheit der Landschaft, sowie der Palast und die Privathäuser, welche als historische Wunderwerke ihrer Zeit galten. Die Reichen aus allen Teilen der Welt verbrachten hier erholsame Tage und ebenso zog es die berühmtesten Künstler in die Stadt, in der sie bedeutende Werke schufen. Wie heute wieder, waren auch damals die Mosaiken aus Hatay weltberühmt.

Trotz einer pulsierenden und früchtetragenden Gesellschaft kam es im kosmopolitischen Antiochia zu blutigen Auseinandersetzungen unter der Bevölkerung. Hintergrund waren unterschiedliche religiöse und wirtschaftliche Interessen. Wie ein Fluch lasteten immer wiederkehrende Erdbeben über der Stadt. Bei einem der sechs schweren Erdbeben wurden 250.000 Einwohner getötet. Sie befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs im Hippodrom. Im gesamten Raum Hatay lebten damals ca. 750.000 vielleicht 800.000 Menschen gesprochen. Sklaven und Kinder wurden als Unmündige nicht mitgezählt.

Nicht nur die Schäden der Erdbeben mussten überwunden werden. Pest und Großfeuer hinterließen grauenhafte Spuren. Einem Großfeuer im 71 n. Chr. fielen die Stadtbibliothek, Tempel und Wohnhäuser zum Opfer.

Kaiser Trajan (53-117 n. Chr.) veranlasste den Wiederaufbau der Stadt und gebot den Bau eines 9 km langen Wasserkanals zwischen Harbiye und Antiochia. Herausragend scheint die Errichtung des Diana-Tempels in Daphne, dem heutigen Harbiye. Was Kaiser Trajan nicht fertig stellen konnte, vollendete Kaiser Hadrian (76-138 n. Chr.).

In dieser Zeit gewann Antiochia große Bedeutung für die Anhänger der neuen Glaubenslehre von Jesu. Die Stadt wurde nach Jerusalem zum größten Zentrum der Christen. Für Paulus war Antiochia Ausgangspunkt seiner drei großen Missionsreisen. Er war gemeinsam mit Barnabas hierher gekommen.

Nach der wundersamen Befreiung des Petrus durch einen Engel (Apg 1-6), begab sich auch dieser nach Antiochia und übte das Bischofsamt aus. Beim Aufeinandertreffen von Paulus und Petrus in Antiochia kam es zu einem Eklat zwischen den beiden Aposteln. (Gal 2,11)

Im Juli eines jeden Jahres gedenken hohe Würdenträger aller Religionen dem Apostel Petrus. In einem Gottesdienst wird Brot an die Gläubigen verteilt und Segen gespendet.

Der Erzählung nach schuf Mattheus sein Evangelium in Antiochia und Lukas erblickte hier das Licht der Welt.

Die Gründung der christlichen Gemeinschaft in Antiochia wurde in der Bibel verbrieft:

„Bei der Verfolgung, die wegen Stephanus entstanden war, kamen die Versprengten bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia; doch verkündeten sie das Wort nur den Juden. Einige aber von ihnen, die aus Zypern und Zyrene stammten, verkündeten, als sie nach Antiochia kamen auch den Griechen das Evangelium von Jesus, dem Herrn. Die Hand des Herrn war mit ihnen, und viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn. Die Nachricht davon kam der Gemeinde Jerusalem zu Ohren, und sie schickten Barnabas nach Antiochia. Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich vorgenommen hatten. Denn er war ein trefflicher Mann erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben. So wurde für den Herrn eine beträchtliche Zahl hinzugewonnen. Barnabas aber zog nach Taurus, um Saulus aufzusuchen. Er fand ihn und nahm ihn mit nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und unterrichteten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte man die Jünger zum erstenmal Christen.“ (Apg 11,19-26)

Die Bevölkerung von Antiochia, welche lange eine Vorliebe für den Monotheismus hatte, ließ sich schnell vom christlichen Glauben einnehmen. Erste geheimen Versammlungen der jungen Gemeinde fanden in einer Höhle statt, welche heute als die Höhlenkirche St. Pierre bekannt ist und vom Vatikan als die älteste Kirche der Welt anerkannt wurde.

Wegen des großen Zulaufs musste die Höhle erweitert werden und konnte dann auch als Versteck bei Überfällen genutzt. Ein umfangreiches Gangsystem durch den Fels bot Fluchtmöglichkeiten. St. Pierre ist Pilgerstätte vieler Christen.

Nach der Teilung des Römischen Reichs 395 v.Chr. blieb Hatay dem Oströmischen Reich zugehörig. Nach einem Erdbeben erfuhr es unter seine letzte Blüte unter Justinian (527-65). Im Jahr 538 wurde die Stadt durch die Sasandinen, einer persischen Dynastie unter König Chrosau I., erobert und geplündert. Justinian ließ die Schäden beseitigen und baute die Stadt weitgehend wieder auf. Von der Stadtmauer und den anderen Bauten haben sich nur wenige Spuren erhalten (amerikanische Grabungen von 1932-39). Eine prächtige Säulenstraße erstreckte sich in 6 km Länge zwischen zwei Toren. Möglich scheint, dass Teile dieser Kolonnaden nach Palmyra verbracht und dort wiedererrichtet wurden. Aus der römischen Zeit stammen eine Badeanlage, eine Nymphäum, der Circus auf der Orontesinsel, zu der fünf Brücken führten, ein Kaiserpalast des Diokletian (284-305). Neben Mosaiken, geringen Funden an Plastik und Kleinkunst ist auf die berühmte Statue der Tyche von Antiochia hinzuweisen. Ihr wurde als Stadtgöttin gehuldigt.

Im Jahr 639 n. Chr. eroberten mohammedanische Araber Hatay. Bis zur byzantinischen Rückeroberung syrischer Gebiete im Jahr 968 wechselte der Herrschaftsanspruch über Hatay zwischen Arabern und Türken. Nur wenig mehr als hundert Jahre sollte die erneute Herrschaft der Byzantiner dauern. Mit der Eroberung der Seldschuken im syrischen Raum ging sie wieder verloren. Ab Jahr 1085 bestimmten die Seldschuken über die Geschicke der Stadt Antiochia.

Während des ersten Kreuzzuges erlangte Antiochia neue Bedeutung auf dem Parkett der Weltpolitik. Auf dem Weg zur Eroberung der Heiligen Stadt Jerusalem musste Antiochia eingenommen werden, um den Marsch nach Süden in Sicherheit fortsetzen zu können. Nach fast neun Monaten, andauernder Belagerung wurde die Stadt im Juni 1098 durch das Christenherr eingenommen und besiedelt. Die Einsetzung eines Bischofs sollte die, der Heimat fernen, Christen moralisch stärken. Als Gotteshaus wurde eine Moschee umfunktioniert.

Immer wieder versuchten mohammedanische Heere erfolglos die Stadt einzunehmen. Mamelucken gelang es die Stadt zu erobern und 1260 stand sie unter mongolischer Herrschaft. 1267 wurde Antiochia in türkisch-mameluckische Hand übergeben. 1516 eroberte Yavuz Sultan Selim während seines Ägyptenfeldzuges Antiochia für das Osmanische Reich.

Nach dem Vertrag von Mondros im Jahr 1918, ging Antiochia in den französischen Herrschaftsbereich. 1938 war Antiochia kurze Zeit unabhängig. 1939 erfolgte der Anschluß an die Türkei.

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